Angebliche Kahlschlagpläne bei VW Aktuelles zu Volkswagen

Einmal mehr verunsichern Medienberichte die Belegschaft - Spekulationen nun auch ums VW-Gesetz.

Beschäftigte von VW machen sich in Hannover für ihre Forderungen stark.


Erneut sorgt ein Medienbericht für Unruhe in der Belegschaft von Volkswagen. Diesmal sind es Spekulationen, wonach der VW-Konzernvorstand angeblich Folgendes plane: 100.000 Arbeitsplätze abzubauen, zusätzlich zu Osnabrück noch vier weitere deutsche Werke mittelfristig auslaufen zu lassen (Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau) und obendrein auch einen Angriff auf das VW-Gesetz zu planen. Bei dem Medienbericht handelt sich um einen am Freitagvormittag erschienenen Bericht des Manager-Magazins (hier hinter der Bezahlschranke).

Daraufhin äußern sich die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, die VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo und der für den VW-Haustarif zuständige IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger wie folgt:

"Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht. Aber: Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern. Entscheidend ist ohnehin etwas ganz Anderes: Statt blinden Aktionismus zu zeigen, sollte der Vorstand endlich seinen Job machen und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte, Technologien, Konzernstrukturen und -synergien und damit auch sichere Beschäftigung." 

 


 

Der Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies und die stellvertretende Niedersächsische Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg äußerten sich wie folgt:

"Die in den Medien geschilderten Pläne nehmen wir zur Kenntnis. Zunächst gilt: Über konkrete Maßnahmen wird der Aufsichtsrat beraten und entscheiden. Das Land Niedersachsen wird seine Verantwortung dort mit der gebotenen Sorgfalt wahrnehmen.

Unabhängig davon ist für uns klar: Die Zukunft von Volkswagen wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt. Entscheidend ist, dass der Konzern wieder aus eigener Stärke überzeugt – mit wettbewerbsfähigen Fahrzeugen, innovativen Produkten, einer konsequenten Nutzung von Synergien und einer klaren strategischen Ausrichtung. Genau das hat Volkswagen groß gemacht, und genau daran muss der Vorstand sich messen lassen.

Das Land Niedersachsen wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt. Mitbestimmung ist kein Wettbewerbsnachteil, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Erfolgsgeschichte von Volkswagen. Wer den Konzern nachhaltig stärken will, muss die Beschäftigten mitnehmen und darf ihre Rechte nicht aushöhlen.

Unser gemeinsames Ziel bleibt ein wirtschaftlich erfolgreicher Volkswagen-Konzern mit einer starken industriellen Basis und guten Arbeitsplätzen in Deutschland. Dafür braucht es vor allem überzeugende Produkte und überzeugende Strategien.

Wir sehen dabei den Druck auf alle großen Hersteller. Wir brauchen daher eine gemeinsame deutsche Strategie für den Automobilstandort Europa insgesamt. Mit Blick auf den dramatischen Preisdruck gerade aus China braucht es Lösungen, wie wir europäische Produktion, Wertschöpfung und Arbeitsplätze schützen können.“

 


 

Außerdem meldeten sich am Freitag auch Jörg Schlagbauer (Ingolstadt), Vorsitzender des Audi Gesamtbetriebsrats und sein Stellvertreter Alexander Reinhart (Neckarsulm) zu Wort:

"Eine Schließung des Werks Neckarsulm steht für uns als Arbeitnehmervertretungen nicht zur Debatte. Neckarsulm ist Teil der Audi DNA – darüber wird nicht verhandelt. Unsere Standorte stehen nicht im Wettbewerb gegeneinander, sondern stehen gemeinsam für die Zukunft von Audi. Entscheidend ist ohnehin etwas ganz Anderes: Statt blinden Aktionismus zu zeigen, sollten die Verantwortlichen im Volkswagen Konzern sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte entwickeln, neue Technologien einführen, Konzernstrukturen straffen und -synergien heben und damit Beschäftigung nachhaltig sichern."

 


Die Spekulationen führten außerdem über Volkswagen hinaus zu zahlreichen weiteren Reaktionen aus der Branche. Hier ein Beispiel der Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg, Barbara Resch:

"Sollten sich die Berichte bestätigen, wäre das ein Frontalangriff auf die Zukunft der Industriearbeitsplätze! Werksschließungen und massiver Stellenabbau sind keine Strategie für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie. Wer Standorte schließt, verliert Know-how, Innovationskraft und das Vertrauen der Beschäftigten. Unsere Solidarität gilt allen betroffenen Beschäftigten – in Neckarsulm ebenso wie in Hannover, Emden, Osnabrück, Zwickau und an allen weiteren Standorten des Volkswagen-Konzerns. Die Zukunft der deutschen Automobilindustrie entscheidet sich nicht durch Standortkonkurrenz, sondern durch Investitionen, Innovationen und eine klare industrielle Strategie.“

Resch fordert den Volkswagen-Vorstand auf, die Spekulationen schnell zu beenden und gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen tragfähige Zukunftsperspektiven für alle Standorte zu entwickeln. Deutschlands industrielle Stärke entsteht nicht durch Kahlschlag, sondern durch gute Arbeit, moderne Produkte und verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten.

 


Hier außerdem noch das offizielle Statement der Unternehmensseite bei Volkswagen:

"Bitte haben Sie Verständnis, dass wir interne, vertrauliche Unterlagen nicht kommentieren. Die zu Grunde liegenden Sachverhalte werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess werden wir nicht vorgreifen. 

Richtig ist, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Der Konzernvorstand hat immer wieder betont, dass unser aktuelles Geschäftsmodell so nicht mehr für alle Marken funktioniert: Autos in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit exportieren. 

Die Welt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Entwicklung weiter verschärft. Neue Zölle, härterer Wettbewerb und stagnierende, teils rückläufige Märkte bedeuten für das Unternehmen derzeit Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe pro Jahr. Um unter diesen Rahmenbedingungen weiter erfolgreich zu bleiben, müssen wir uns weiterentwickeln. Der gesamte Konzern muss seine Wettbewerbsfähigkeit erheblich steigern. Das erfordert eine stärkere Fokussierung sowie noch konsequentere Kosten- und Investitionsdisziplin. Nur so können wir unsere Position als einer der führenden Automobilhersteller behaupten, festigen und unsere Zukunft weiterhin aus eigener Kraft finanzieren. 

Der gesamte Konzern – inklusive Marken und Gesellschaften – muss sich tiefgreifend verändern. Dafür hat der Konzernvorstand in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet. Es geht darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen. Das gilt insbesondere für die Entscheidungsprozesse und Strukturen – gerade bei der Entwicklung und der Integration neuer Technologien sowie beim Modell-Portfolio für unsere Kunden. 

Im nächsten Schritt soll diese umfassende Transformation nach Befassung des Aufsichtsrats in die Umsetzung gebracht werden. Das Ziel ist klar: Die Volkswagen Group bis 2030 zum attraktivsten Automobilunternehmen der Welt zu machen."

Aktuelle Fragen und Antworten des Konzernbetriebsrats