Automobilaktionstag 6.500 Beschäftigte setzen starkes Zeichen für die Zukunft der Autoindustrie

Tausende Kolleginnen und Kollegen bei Volkswagen Nutzfahrzeuge und Hunderte Beschäftigte bei ZF WABCO in Hannover auf der Straße.

Automobilaktionstag VW und ZF Hannover

21. September 2026 21. September 2026


Die Zukunft der Automobilindustrie stand am 21. September im Mittelpunkt des bundesweiten Automobilaktionstags der IG Metall. In Hannover beteiligten sich insgesamt rund 6.500 Beschäftigte an Demonstrationen und Kundgebungen. Im Fokus standen dabei die Beschäftigten von Volkswagen Nutzfahrzeuge und ZF WABCO, die ein deutliches Signal für sichere Arbeitsplätze, Investitionen und zukunftsfähige Standorte setzten. Hannover ist eine Industriestadt. Volkswagen Nutzfahrzeuge, Continental, Faurecia, ZF WABCO, Clarios, MTU und zahlreiche weitere Unternehmen prägen den Wirtschaftsstandort. Hinzu kommen viele Zulieferbetriebe, Dienstleister und Autohäuser, deren Zukunft eng mit der Entwicklung der Automobilindustrie verbunden ist. 

Die Herausforderungen der Branche sind bekannt: Der verschärfte Wettbewerb auf dem chinesischen Markt, günstige Elektrofahrzeuge aus China und eine zunehmend protektionistische Handelspolitik in den USA setzen die deutschen Hersteller unter Druck. Bereits Ende 2024 hatten die Beschäftigten von Volkswagen in einer schwierigen Tarifauseinandersetzung schmerzhafte Zugeständnisse akzeptiert. Im Gegenzug wurden die deutschen Standorte abgesichert. Für das Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover bedeutete das unter anderem Kündigungsschutz bis 2030 sowie die Zusage eines Nachfolgeprodukts, des Projekts „SPACE“, dem zukünftigen Bulli. 

Umso größer war die Empörung, als der Volkswagen-Vorstand in der Aufsichtsratssitzung im Juli Pläne vorlegte, nach denen für mehrere Standorte, darunter Hannover, keine Nachfolgeprodukte vorgesehen sein sollten. Die Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sowie das Land Niedersachsen verhinderten jedoch weitreichende Entscheidungen. Weder ein Auslaufen von Standorten noch ein Arbeitsplatzabbau wurden beschlossen. Dennoch bleiben die Pläne des Vorstands eine ernsthafte Bedrohung für die Zukunft der betroffenen Werke.

Vor diesem Hintergrund kam dem Aktionstag in Hannover eine besondere Bedeutung zu.

 Auftakt bei ZF WABCO

Bereits am Vormittag versammelten sich mehr als 400 Beschäftigte von ZF Hannover vor dem Werk am Lindener Hafen. Auf der Kundgebung sprachen unter anderem der Betriebsratsvorsitzende von ZF WABCO, Jens Schäfer, die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Hannover, Susanne Heyn, sowie der Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen Nutzfahrzeuge Hannover, Stavros Christidis. Die Beschäftigten machten deutlich: Auch bei den Zulieferern sorgen die Umbrüche der Branche für große Unsicherheit. Deshalb ist Solidarität entlang der gesamten Wertschöpfungskette wichtiger denn je. 

6.000 Beschäftigte bei Volkswagen Nutzfahrzeuge auf der Straße

Am Mittag folgte die Großdemonstration bei Volkswagen Nutzfahrzeuge. Rund 6.000 Beschäftigte zogen in zwei Demonstrationszügen über die Mecklenheidestraße bis zum Festplatz Stöcken. Unterstützt wurden sie von Delegationen zahlreicher weiterer Betriebe aus Hannover und der Region, darunter ZF WABCO, Clarios, Komatsu Germany, DSV Solutions, Schnellecke, Faurecia, Aventics, Renk und KraussMaffei Extrusion. Auf der Kundgebung sprach die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, und machte deutlich, worauf es jetzt ankommt: „Die Managements müssen endlich begreifen: Leute rausschmeißen wird die Wirtschaft nicht retten. Das wird nur mit Innovationen und mutigen Investitionen in Produkte, Technologie und Standorte gelingen.“ Auch Stavros Christidis rief die Belegschaft zu Geschlossenheit und Durchhaltevermögen auf. Für ihn ist klar: Die Beschäftigten brauchen eine tragfähige Perspektive bis zum Anlauf des Projekts SPACE im Jahr 2032. „Der SPACE ist der Bulli. Und der Bulli gehört nach Hannover. Wir können gute Autos bauen. Die Rahmenbedingungen dafür muss der Vorstand herstellen.“

 Zukunft der jungen Generation im Blick

Wasti Owusu-Mensah von der IG Metall Jugend machte in ihrer Rede deutlich, dass es bei den aktuellen Auseinandersetzungen um weit mehr als einzelne Standorte geht: „Es geht um die Zukunft unserer Generation. Gute Industriearbeit und sinnvolle Produkte sind die Grundlage für sichere Perspektiven vieler junger Menschen.“ Solidaritätsbeiträge kamen außerdem von Jens Schäfer (ZF WABCO), dem Vorsitzenden des DGB-Stadtverbands Hannover, Stefan Drechsler, den Vertreterinnen der italienischen Schwestergewerkschaften FIOM-CGIL und FIM-CISL, Valentina Orazzini und Barbara Arsieni, sowie von Harald Haupt von der GEW. 

Für die musikalische Unterstützung sorgte Christian Fahrenheit. Mit seinem eigens für die VW-Belegschaft geschriebenen Lied „Ein Werk gibt man nicht auf“ traf er die Stimmung des Tages und machte vielen Kolleginnen und Kollegen Mut. 

Starker Auftakt für die kommenden Monate

Auch Sascha Dudzik, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hannover, zeigte sich beeindruckt von der Mobilisierungskraft der Beschäftigten:

„Volkswagen steht, weil ihr heute hier auf dem Platz steht. Das ist nur der Auftakt für einen heißen Herbst.“ Der Automobilaktionstag hat gezeigt: Die Beschäftigten in Hannover sind bereit, für ihre Zukunft, ihre Arbeitsplätze und starke Industriestandorte einzustehen. Die Botschaft an Vorstandsetagen und Politik ist eindeutig: Wer die Zukunft der Automobilindustrie sichern will, muss in Produkte, Standorte und Menschen investieren. Hannover ist bereit, seinen Beitrag dazu zu leisten.