Der heutige Tag fällt bewusst auf die Sitzung des TKE-Aufsichtsrats. Das Motto: „Es ist eine Minute vor zwölf."
Am 29. April 2026 hatten KONE und das Konsortium aus den Finanzinvestoren Advent und Cinven den Zusammenschluss beider Unternehmen öffentlich bekanntgegeben. Bewertet mit 29,4 Milliarden Euro würde der Zusammenschluss den weltgrößten Aufzug- und Fahrtreppenhersteller entstehen lassen. Mehr als 100.000 Beschäftigte weltweit wären betroffen – darunter Tausende in Deutschland. Die Arbeitnehmervertretungen wurden weder informiert noch konsultiert, obwohl nationale Mitbestimmungsrechte und internationale Vereinbarungen genau das verlangen. Für die IG Metall ist das kein Formfehler, sondern ein bewusstes Außenvorlassen der Mitbestimmung.
Besonders kritisch bewertet die IG Metall die angekündigten Kosteneinsparungen von rund 700 Millionen Euro jährlich. Erfahrungen aus vergleichbaren Fusionsprozessen zeigen, dass solche Größenordnungen in der Regel nicht ohne Auswirkungen auf Beschäftigung und Standorte zu erreichen sind. Die IG Metall erwartet daher belastbare Antworten: Wo sollen diese Einsparungen konkret herkommen – und was bedeutet das für die Belegschaften in Deutschland?
Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „Ein 29 Milliarden Euro Deal, 100.000 Beschäftigte – und die Belegschaftsvertretungen wird nicht eingebunden? Das ist kein Versehen. Wer Mitbestimmung so behandelt, muss damit rechnen, dass es massive Kritik und Widerstand gibt. Wir erwarten von beiden Unternehmen klare, verbindliche Zusagen: für die Arbeitsplätze, für die Standorte, für faire Tarifbedingungen. Und das nicht irgendwann – sondern jetzt."
Die IG Metall fordert konkret: vollständige Transparenz über die Fusionspläne und ihre Auswirkungen auf Beschäftigung und Standorte, die sofortige und vollständige Einbindung aller Mitbestimmungsgremien auf betrieblicher, nationaler und europäischer Ebene sowie den zügigen Abschluss eines bundesweiten Zukunftstarifvertrags 2.0. Dieser muss verbindliche Beschäftigungssicherung, Standortgarantien, Investitionszusagen und den Erhalt der deutschen Standorte festschreiben.
Susanne Heyn, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Hannover: „Die Beschäftigten in Deutschland befürchten die vollständige Zerschlagung durch die Übernahme. Hinter den Zahlen stecken Arbeitsplätze und Familien hier in Hannover. Die Kolleginnen und Kollegen bei TKE leisten jeden Tag gute Arbeit – und haben es verdient, dass über ihre Zukunft nicht hinter verschlossenen Türen entschieden wird. Wir erwarten verbindliche Zusagen für unseren Standort. Die Belegschaft muss wissen, was ein solcher Zusammenschluss für ihre Zukunft bedeutet.“