Autohaus Unfair Beresa verweigert Tarifvertrag für hannoveraner Standort

Die IG Metall kritisiert den Abbruch der Tarifverhandlungen bei BERESA in Hannover und fordert die Geschäftsführung auf, die Gespräche wieder aufzunehmen. Die Beschäftigten hatten bereits im April die Einführung des Flächentarifvertrags für das Kfz-Gewerbe in Niedersachsen gefordert.

Soliaktion der Tarifkommission im niedersächsischen Kfz-Handwerk mit den Beschäftigten von Beresa

8. September 2026 8. September 2026


Nachdem die bisherigen Verhandlungen von der Arbeitgeberseite ohne Ergebnis beendet wurden, liegt bislang kein Termin für eine Fortsetzung vor. Für die IG Metall ist das angesichts der unterschiedlichen Arbeitsbedingungen innerhalb der Unternehmensgruppe nicht nachvollziehbar. „Tarifverhandlungen leben vom Dialog und von der Bereitschaft, Lösungen am Verhandlungstisch zu finden. Die Kolleginnen und Kollegen sind gesprächsbereit und erwarten, dass auch die Arbeitgeberseite ihrer Verantwortung gerecht wird“, erklärt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall.

Besonders ins Gewicht fällt aus Sicht der Gewerkschaft der Widerspruch zwischen dem öffentlichen Selbstverständnis der BERESA-Gruppe und dem Verhalten in den laufenden Tarifauseinandersetzungen. Das Unternehmen wirbt mit Tarifbindung und guter Ausbildung und beschreibt Zuverlässigkeit, Teamgeist, Respekt und Wertschätzung als Grundlage seiner Unternehmenskultur. Auch das Qualitätssiegel „AutohausFair“, mit dem die IG Metall faire Kfz-Arbeitgeber auszeichnet, trägt BERESA seit vielen Jahren.

„AutohausFair darf kein reines Werbeversprechen sein. Gerade wenn es um die Interessen der Beschäftigten geht, muss sich zeigen, wie ernst eine Geschäftsführung seine eigenen Ansprüche und seine Unternehmenskultur nimmt. Faire Arbeitgeber erkennt man daran, dass sie Konflikte am Verhandlungstisch lösen und Gespräche nicht verweigern“, so Wente weiter.

Die BERESA-Gruppe ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen und hat neben ihren etablierten Standorten in den Regionen Münster, Osnabrück und Bielefeld weitere Autohäuser übernommen. Im Oktober 2024 kam mit dem ehemaligen Autohaus Pagel auch ein Standort in Hannover hinzu, der seither unter der Marke BERESA auftritt. Bei den Arbeitsbedingungen bestehen nach Angaben der IG Metall allerdings weiterhin erhebliche Unterschiede zu den tarifgebundenen Hauptstandorten der Unternehmensgruppe.

So liegen die Arbeitszeiten in Hannover teilweise deutlich über 40 Stunden pro Woche, während die Monatslöhne nach Angaben der IG Metall bis zu 20 Prozent unter dem Niveau der tarifgebundenen Standorte liegen. Auch bei den Auszubildenden zeigt sich der Unterschied: Die Ausbildungsvergütungen in Hannover liegen nach Angaben der Gewerkschaft nicht über dem gesetzlichen Mindestmaß.

Für Thadeus Mainka von der IG Metall Hannover stellt sich deshalb die Frage, warum Beschäftigte innerhalb einer Unternehmensgruppe, die nach außen mit einer gemeinsamen Marke auftritt, bei den Arbeitsbedingungen mit unterschiedlichen Maßstäben konfrontiert sind.

„Für die Kundinnen und Kunden ist BERESA ein Unternehmen. Deshalb erwarten die Beschäftigten zu Recht faire und einheitliche Standards. Unser Ziel bleibt klar: Eine Unternehmensgruppe, ein Tarifvertrag. Wer gemeinsam arbeitet und gemeinsam zum Erfolg beiträgt, darf nicht von unterschiedlichen Regelungen abhängig sein“, betont Thadeus Mainka, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Hannover.

Auch beim Umgang mit den Beschäftigten müsse sich der Anspruch des Unternehmens aus Sicht der IG Metall daran messen lassen, wie im konkreten Konflikt gehandelt wird.

„Die Kolleginnen und Kollegen in Hannover wollen keine Sonderbehandlung. Sie wollen faire und verlässliche Regeln, wie sie im Konzern üblich sind. Wer sich öffentlich zu Wertschätzung, Respekt und Tarifbindung bekennt, sollte auch bereit sein, Tarifverhandlungen zu führen und sich am eigenen Standard messen zu lassen. Faire Arbeitgeber erkennt man nicht an Hochglanzbroschüren und blumigen Worten, sondern ob sie auf die Beschäftigten zugehen und gemeinsame Lösungen suchen“, führt Mainka aus.

Die IG Metall fordert die Arbeitgeberseite deshalb auf, kurzfristig an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ziel sei nicht eine Sonderregelung für den Standort Hannover, sondern eine verlässliche und einheitliche tarifliche Grundlage innerhalb der Unternehmensgruppe. „Die Tür für Verhandlungen steht offen. Ich durfte die Geschäftsführer in den letzten Jahren immer als faire Sozialpartner kennenlernen. Gute Partnerschaft jedoch zeigt sich dadurch, wie eine Geschäftsführung im Konflikt handelt. Jetzt liegt es an ihnen und den Eigentümern, soziale Verantwortung zu übernehmen und den Weg für eine faire Lösung freizumachen“, so Verhandlungsführer Wente abschließend.

Hintergrund

Die BERESA-Gruppe beschäftigt über 1.400 Menschen, darunter rund 200 Auszubildende, an circa 20 Standorten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Hauptregionen liegen in Münster, Osnabrück und Bielefeld. Im Zuge ihrer Expansion hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren weitere Autohäuser übernommen und in die Gruppe integriert. Mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro gehört BERESA zu den größten Autohandelsgruppen in Norddeutschland und vertritt die Marken Mercedes-Benz, smart, Hyundai, Genesis und Ford.

Die IG Metall vergibt das Siegel „AutohausFair“ an Autohäuser, die neben gelebter Mitbestimmung durch einen Betriebsrat auch selbst ausbilden und ihre Beschäftigten zu tariflichen Bedingungen am Unternehmenserfolg beteiligen. BERESA trägt das Siegel seit vielen Jahren. Für den Standort Hannover fordert die IG Metall nun die Einführung des Flächentarifvertrags für das Kfz-Gewerbe in Niedersachsen.